Offensichtlich ist sie nicht nur in ihrem Festtagsgewand eine ordentliche, sorgsame Frau, die gut haushalten kann.

Sie ist vielleicht nicht reich wie die Bürgersgattinnen, die auf solchen Portraits gern opulenten Schmuck tragen, aber auch nicht arm.

All die Autorinnen, die momentan gegen romantische Stimmungen anschreiben – ein neues, modisches Brauchtum der Tinder-Wegwisch-Ära – sind dafür natürlich kaum zu gewinnen, zwischen Stress, Zeitmangel, Erfolgsdruck und dauernder Gereiztheit.

Die Einzelkämpfergesellschaft sieht die Beziehungssache auch eher pragmatisch und frei von zartromantischer Färbung, aber dafür durchaus unter dem Aspekt der Nützlichkeit und Effizienz.

Denn um 1870 erschlossen die Eisenbahnen langsam die Bergwelt, darin eröffneten die Grand Hotels, man zog zur Sommerfrische auf die Alm, und erwarb alpenländische Mode für eine Art Bergkostümfest.

Im Biedermeier beginnt die Neigung der Damen, das Dirndl der Bäuerinnen zu tragen, weil sie in den eng geschnürten Kleidern mit Wespentaille kaum laufen können.

So habe ich beispielsweise hier ein Portrait einer Gesellschaftsdame der Klimtzeit aus einer Salzburger Sammlung mit gesicherter Herkunft, das in Duktus, Expression und Farben genau das verkörpert, was man 1910 als Avantgarde begriff – die Wiener Moderne macht sich darin breit und zündet sich in den Rauchfarben eine letzte Vorkriegszigarre an.

Und es gibt Kunst, die man früher zwar für Kunst gehalten hat, und so teuer wie Museumskunst bezahlte, oder auch deutlich teurer – aber über die ist die Kunsthandelsgeschichte hinweg geschritten, weil sie sich am Neuen und Außergewöhnlichen orientiert.Das mag nicht Kunst sein, es hat zu wenig abgeschnittene Ohren und entsetzte Schreie, und zu detailgenau ist es auch, aber ich mag das.Man muss natürlich die darin zum Ausdruck kommende, bürgerliche Moral nicht mögen, das Saubere, die gebremste Offensive, die Ritterlichkeit und die Monogamie, in der sich diese beiden finden werden.Da geht es nicht mehr um das Aufhalten von Türen oder gar um das Rudern über den See, da wird auch am Hut nichts mehr angesteckt, um Besitzansprüche öffentlich zu machen.Flexibilität ist auch in Dingen der Zuneigung erwünscht, und die dauerhafte Liebe ist wohl das einzige, an das noch weniger als an die Rente geglaubt wird.Es zeigt zwei Menschen, die sich umeinander bemühen, die Stunden damit zubringen, dem anderen etwas Gutes zu tun, die bereit sind, sich hinzugeben, ohne dass es bereits Sex sein muss.